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Wie kann ich erreichen, dass mir mein Konfliktpartner wirklich zuhört?

Kleine Konfliktkunde
Kathrin Hammer Blog - Konfliktpartner erreichen

Hast du oft das Gefühl, du redest bei deinem Partner gegen eine Wand und bei deinem Teenager kommst du über den ersten Satz gar nicht hinaus? Er oder sie schaltet auf „Durchzug“ und blockt sofort ab, wenn du nur ein bestimmtes Thema ansprichst? Dann hast du hoffentlich schon meinen Tipp 1 „Wie kann ich es ansprechen, wenn ich mit meinem Konfliktpartner darüber reden möchte, was mich stört?“  in meinem letzten Blog angeschaut. Und ausprobiert!

Falls du nun an das erste Gespräch anschließen möchtest oder gleich hier bei Schritt 2 beginnst, dann fasst du dir ein Herz und sprichst deinen Konfliktpartner an. Doch irgendwie kann er/sie nicht „gut hören“, was du eigentlich sagen willst. Damit meine ich nicht, dass er/sie ein Problem mit den Ohren hat. Keinesfalls! Es gelingt dir einfach nicht, das Gesagte so rüber zu bringen, dass man es gut hören WILL. Kaum hast du den ersten Satz gesagt, wirst du vehement unterbrochen und man widerlegt deine gut zurechtgelegten Argumente.

 

Was nun? Bitte sprich immer über DICH! Sprich nicht über den anderen, denn dieser Andere hat seine eigene Wahrnehmung von dem Konflikt, die er/sie nur zu gut kennt. Da braucht es nicht noch DEINE Sicht auf SEIN Problem. Vermeide Sätze, die beginnen mit „Du hast …“, „Du bist …“ „Immer machst du …“. Nach diesem Satzanfang folgt immer ein Vorwurf, eine Verurteilung des Gegenübers und er/sie macht dicht.

 

Stell dir in diesem Moment vor, dass du eine Kamera bist. Was genau hast du gesehen oder gehört, was dich so stört, was du ansprechen magst. Vermeide zu deinem pubertieren Kind zu sagen „Immer liegen deine Sachen hier auf dem Boden herum!“ Warum, fragst du dich? Stimmt doch! Stimmt eben nicht! Dein Kind wird immer eine Situation nennen können, in dem keine Sachen am Boden umher lagen, nämlich vorletzte Woche, als ihr zusammen aufgeräumt hattet. Und schon ist deine schöne Argumentationskette im Eimer. Du bist entlarvt und kannst abtreten. Sei ganz genau. Formuliere so: “Ich sehe da die Sachen, die du gestern anhattest am Boden liegen.“ Füge auch kein „schon wieder“ mit ein. Nur, was du JETZT siehst. Damit bist du objektiv und hast eine Chance, überhaupt über den ersten Satz hinaus zu kommen.

 

Und dann berichte von DEINER Innensicht auf den Konflikt. Erzähle, wie es dir geht und was du brauchst. Denn ich bin zutiefst überzeugt, dass es sowas wie reine „Sachkonflikte“ nur sehr selten gibt. Menschen sind immer zueinander in Beziehung. Es geht eben nicht um die Sachen am Fußboden, sondern um viel mehr. Es geht um die Beziehung und die entscheidet darüber, wie ein Konflikt bearbeitet wird. Also spielt es auch eine Rolle, was die beiden Konfliktpartner an Gefühlen und Bedürfnissen im Hinblick auf den Konflikt mitbringen.

 

Bei Konflikten herrschen in der Regel unangenehme Gefühle vor, diese deuten immer auf unerfüllte Bedürfnisse hin. Forsche in dich hinein und finde das Gefühl, dass du empfindest, wenn du an das Konfliktfeld denkst. Bist du wütend über die Sachen am Boden? Ja? Dann schau dorthin, was brauchst du, wenn du so wütend bist. Fühlst du dich nicht gesehen mit deinen Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit im Haus? „Gesehen werden“ ist ein Bedürfnis, echt! Oder brauchst du Ordnung, um dich wohl zu fühlen? Es gibt im Internet zahlreiche Gefühls- und Bedürfnislisten. Die sind auch sehr gut für den Anfang, wenn du anfangen  möchtest, in Konfliktsituationen anders zu agieren als sonst. Aber mach es dir auch nicht zu schwer. Die Fragen lauten nur: 

 

Wie fühle ich mich? (wütend...)
Was brauche ich? (gesehen werden, Ordnung …)
Das ist in einem Satz gesagt, und den lass erstmal wirken! Mach eine kurze Pause, sieh dein Gegenüber an und frage dann: "Bist du bereit, mit mir darüber zu reden?" Kann sein, dass du ein „Nein, jetzt nicht!“ bekommst. Dann bleib trotzdem hartnäckig und frage, wann Zeit zum Reden ist. Aber sehr oft, hast du mit dieser Herangehensweise eine gute Chance, dass ihr sofort in ein gutes Gespräch starten könnt.

 

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich dir noch verraten, wie du das passende Gefühl und das damit verbundene Bedürfnis finden und richtig benennen kannst und was Fake-Gefühle sind.

 

Probier es aus! Ich freue mich über Rückmeldung von dir!

Herzliche Grüße

 

Deine Kathrin Hammer