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Ein „Ja“ zu mir… Warum ich gar nichts gegen dich habe, wenn ich mal „Nein“ sage

Bild: 123 RF
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Meine Tochter will spielen ... mit mir. Sie ist ein Einzelkind, sozusagen. Und sie will Rollenspiele spielen. Ich will aber nicht, wirklich nicht. Ich war gestern schon die Verkäuferin von mindestens 20 verschiedenen Teesorten. Und vorgestern war ich Mickey Mouse, die mit der Minnie Mouse eine Party veranstaltet. Und vorvorgestern … Nein, wirklich nicht, keine Rollenspiele, bitte!

 

Ich bleib erstmal sitzen und sage nicht ganz überzeugend: „Nein, mein Schatz, heute möchte ich wirklich nicht.“ Sie fängt an zu weinen. Rollenspiele zu spielen ist für sie die höchste Form der Zuneigung. Ich weiß das. Trotzdem will ich eben heute nicht.

 

Aber da ist es ja schon, mein schlechtes Gewissen: „Rabenmutter, kannst ruhig mit deiner Tochter mal was spielen! Du weißt doch, wie gerne sie das mag.“

 

Ja, ja weiß ich alles. Also raffe ich mich auf, nehme lustlos das Pseudo-Lenkrad unseres Raumschiffes in die Hand und lass mich coachen, was ich wie genau wann zu sagen und zu tun habe. Es macht mir keinen Spaß und ihr nach 5 min auch nicht mehr. „Mama, du machst das immer falsch.“ Okay, nun hab ich schon nachgegeben und werde auch noch angemeckert.

 

Nochmal zurück auf Anfang, unser Raumschiff hat ja schließlich eine Zeitmaschine. „Mama, spielst du mit mir Raumschiff?“ „Nein, Schatz, heute möchte ich nicht.“ „Warum nicht, ich will aber!“  Mama, sehr bestimmt und klar: „Heute möchte ich hier sitzen und meine Kaffee in Ruhe austrinken, weil der sonst kalt wird. Danach werde ich noch den Geschirrspüler einräumen, damit wir zum Abendessen genügend Geschirr haben. Und dann komme ich und wir düsen los.“ „Okay, ich flieg dann schon mal mit Hasi voraus.“ „Ja, meine kleine Maus. Und danke dir, dass du das schon verstehst.“

 

In meinem Verständnis ist jedes “Nein“, ZU JEMAND ANDEREM immer ein „Ja“ FÜR MICH. Ich bin auch wichtig. Als Mutter muss ich morgen auch noch Kraft und Energie haben. Ich darf auf mich achten, ich muss es sogar. Ich habe die Fürsorgepflicht für mich selbst. Ein anderer übernimmt das nicht. Also darf ich auch „Nein“ sagen. Damit erfülle ich mir mein Bedürfnis nach einem warmen Getränk und nach Ordnung und Sauberkeit in meiner Küche. Und wenn meine Bedürfnisse gestillt sind, kann ich die Bedürfnisse von Anderen erfüllen.

 

Und darum steige ich jetzt in dieses Raumschiff, der Countdown zählt rückwärts 10, 9, 8 …. Und ein kleines Picknick hab ich auch noch in der Zwischenzeit zusammengepackt, unsere Lieblingskekse. Die schmecken im Weltall einfach noch besser…

 

Deine Kathrin Hammer

 

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