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Warum ich Mediatorin für Familien und soziale Teams geworden bin

Warum bin ich eigentlich Mediatorin geworden? Über diese Frage habe ich mir bis vor Kurzem noch nie Gedanken gemacht. Die Idee war plötzlich da. Keine Ahnung, wo die herkam.

 

Doch ich halte es für wichtig, zu wissen, warum man etwas tut. Ich habe dazu Nachforschungen in mir selbst angestellt und so langsam wird mir vieles klar.

Ich war bis vor Kurzem absolut konfliktscheu. Ich meiner Familie wurde nicht gestritten, wir hatten auch nach außen keine Konflikte. Nicht dass das irgendwie verpönt war, ich denke, wir haben einfach nicht darüber geredet, wenn etwas nicht gepasst hat. Wir haben eher geschwiegen. So in der Art „Wenn ich nicht drüber rede, ist es auch nicht da.“

 

Zudem habe ich als Kind verinnerlicht, dass es besser ist, keine Probleme zu machen. Ich war so dermaßen brav, dass meine Eltern immer sehr stolz auf ihre Erziehung waren (heute noch ;)). Die eigentliche Ursache lag aber in einer frühen traumatischen Krankenhauserfahrung. 2-jährige sollten eigentlich nicht ohne ihre Eltern über Wochen in einem Krankenhaus verbringen müssen. Aber zu dieser Zeit in den 70er Jahren war das eben so. Punkt. Hat aber was mit mir gemacht – nämlich ein super angepasstes Kind, das nie streitet. Klingt gut, ist es aber nicht! Denn hinter der Angepasstheit steckt Angst. Die Angst, wieder verlassen zu werden, wenn ich nicht brav bin. Ein Kleinkind kann nicht unterscheiden zwischen dem, was nun mal sein muss und dem Gedanken, verlassen worden zu sein. Und so musste ich das Streiten im Erwachsenenalter sehr hart erlernen.

Vielleicht interessieren mich deshalb die Konflikte anderer Menschen so sehr. Ich kann da sehr tief eintauchen, ohne emotional betroffen zu sein. Kann mit einem messerscharfen analytischen Blick die Stelle finden, an der man ansetzen kann, um den Konflikt zu lösen. Das hilft ungemein. Im Übrigen kann ich das mittlerweile auch bei persönlichen Konflikten. Eine Gabe, die für mich als Mediatorin und Konflikt-Coach sehr von Vorteil ist. Dabei geht es nicht darum, die Lösung eines Konfliktes zu kennen, das ist nicht mein Job. Es geht darum, sanft den Finger auf eine Wunde zu legen und den persönlichen Heilungsprozess anzustoßen und zu begleiten.


Und warum bin ich im Bereich Familienmediation unterwegs? Ich höre oft: „Geh doch lieber in die Wirtschaft, da kannst du viel mehr Geld verdienen.“ Doch das reizt mich ehrlich gesagt nicht. Ich möchte mit Familien arbeiten und zu mir kommen viele Paare und Einzelpersonen, die in persönlichen Konflikten feststecken.

Und da kommen wohl meine erste Ehe und die darauf folgende Scheidung ins Spiel. Ich war gerade mal 8 Jahre verheiratet und hab so vieles falsch gemacht. Und ich bin nicht stolz darauf. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute über mich und über Beziehungen weiß, dann wäre zumindest meine Scheidung weniger problematisch verlaufen. Denn meine Verweigerung, mich mit meinen Anteilen auseinanderzusetzen, hat nicht nur mir, sondern auch meinem Kind geschadet. Das bereue ich zutiefst. Darum möchte ich sehr gerne anderen Menschen beistehen und ihnen helfen, es besser hinzubekommen.

Ich habe vor über 2 Jahrzehnten Lehramt studiert. Ich denke, damit ist klar, dass ich gerne mit Menschen arbeite. Und dann habe ich 18 Jahre lang an Förderschulen gearbeitet – heißt wohl, dass ich gerne Menschen helfe.

Aber vor allem habe ich in diesem Beruf die Bedeutung von guter Teamarbeit kennengelernt. Dort ist mir auch die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation erstmals begegnet. Und aus dieser Zeit stammt wohl mein Faible für „Soziale Teams“.

Pflegepersonal, Pädagogen etc. haben viel um die Ohren und in den Einrichtungen gibt es wenig Zeit und Geld für sowas wie Mediation und Supervision. Dennoch brenne ich für diese Arbeit und fühle mich in diesem Personenkreis sehr wohl. Darum bin ich Mediatorin und Konflikt-Coach auch und gerade für diese Menschen. Auch wenn es mir keinen finanziellen Reichtum beschert, so macht es mich innerlich reich.

Noch ein Wort zum Schluss. Es ist keineswegs so, dass ich als Mediatorin heute alles immer richtig mache. Das wird mir niemals gelingen und das ist auch nicht mein Ziel. Aber ich schaffe es immer öfter, hinzuschauen, die Sichtweise meiner Konfliktpartner zu verstehen und meine Anteile anzunehmen. Und darauf bin ich stolz.

 

Herzlich deine Kathrin Hammer