Die üblichen Grundmuster, wie Menschen mit Konflikten umgehen

Konflikte gibt es viele in unserem Leben, innere und äußere. So verschieden, wie die Menschen sind, so verschieden sind auch die Strategien, damit umzugehen. Vieles davon sind in der Kindheit erlernte Strategien, die wir reflexhaft ausführen, ohne uns darüber bewusst zu sein. Vieles davon brauchen wir heute nicht mehr, auch wenn es uns in der Vergangenheit sehr dienlich war. Weg damit!

Und wie ich immer sage: "Bewusstsein ist der erste Schritt hin zur Veränderung". Wenn du also denkst, so wie ich Konflikte in der Regel angehe, ist das nicht zielführend." oder "Ich MÖCHTE gerne anders reagieren.", dann werde dir zunächst bewusst, welche Strategie du anwendest und dann schau dir an, warum das so ist. Und dann wähle: Möchte ich weiter so agieren wie immer, oder wähle ich, in Zukunft bewusster zu reagieren?

 

Die Flucht

Geht es dir auch so? Du bemerkst, dass sich ein Konflikt anbahnt oder bist irgendwie hineingeraten und dein Impuls ist es, am liebsten abzuhauen. Du willst nicht reden, du willst es gar nicht hören. Du willst weiter in deiner Blase der heilen Welt leben.

Du weißt, dass der Konflikt da ist und dass er etwas mit dir zu tun hat. Aber du bist nicht in der Lage, ihn anzuschauen. Also "fliehst" du. Du fliehst vor den Fernseher, vertiefst dich in die Facebook-Posts anderer Menschen, du haust vielleicht wirklich ab und lässt deine Mitmenschen allein mit dem Problem. Vielleicht gehst du nur Zigaretten holen, vielleicht kommst du aber auch einfach gar nicht wieder (soll es ja geben). Zu den Fluchtreaktionen gehört auch das Leugnen von Konflikten sowie das "auf die lange Bank schieben", nach dem Motto, darum kümmere ich mich später. Der Nachteil am Flüchten vor Konflikten ist, dass kein Lerneffekt für die Zukunft entstehen kann.

Wenn du so unterwegs bist, dann tauch mal unter deine Wasseroberfläche. Was ist da drunter, warum MUSST du einfachen fliehen und kannst Konflikte nicht aushalten und dich ins Feuer stellen? Und wenn du den Grund gefunden hast, dann geh da mal rein. Wie war das als Kind oder junger Mensch, wie hast du dich gefühlt, als du noch abhängig warst und nicht selbst entscheiden durftest? Und dann freu dich, dass du damals diese Strategie erworben hast, die Flucht. Sie war dir dienlich, du hast sie sprichwörtlich zum "Überleben" gebraucht. Und nun kehre zurück in die Gegenwart. Brauchst du diese Strategie heute noch? Meistens nicht, dann gehe bewusst voran und stelle dich ins Feuer deines Konfliktes. Du wirst sehen, dass du überlebst, dass du gestärkt daraus hervorgehst. 

 

Die Vernichtung

Wenn fliehen nicht geht, dann geht der Kampfmodus an. Ziel ist die Vernichtung des Gegners.

Vielleicht kennst du das? Du bist in einer Beziehung, ihr seid verliebt und mit der Zeit kehrt der Alltag ein und es kommt zu den ersten Streitigkeiten. Jetzt siehst du sofort schwarz. Du bist sofort mutlos und haltlos. Du kannst nicht damit umgehen, dass dein Friede gestört ist. Der Zustand des Konfliktes darf nicht anhalten. Zu stark ist dieses Gefühl des Kontrollverlustes. Es wird laut in eurer Beziehung. Die Fetzen fliegen, dem Anderen wird die Schuld zugesprochen und die Beziehung wird beendet.

Viele Menschen reagieren so, man nennt sie oft beziehungsunfähig. Aber diese Menschen haben es so gelernt. Wenn etwas nicht funktioniert, dann schreie laut, tritt um dich und dann beende es. Die beste Freundin spielt mit einem anderen Kind: "Jetzt bist du nicht mehr meine Freundin!". Die Schule läuft nicht so gut? Schmeiß das Abi, gib den Lehrern die Schuld und werde Influenzer. Nach der Trennung von deiner Partnerin sollst du die Kinder nur noch alle 2 Wochen sehen? Mach noch einen ganz großen Auftritt und dann verschwinde für immer nach Kanada. Und wenn du das Auto nicht bekommen kannst, fahr halt ne dicke Beule rein.

Kennste? Schau mal wieder hin, warum ist das so bei dir? Wofür war dir das dienlich? Wann in deinem Leben hattest du keine andere Wahl, als so zu reagieren? Und hast du heute eine andere Wahl? JA, das hast du! Du entscheidest!

 

 

 

.     Das Unterordnen

      Der Klügere gibt nach", hast du doch auch in deiner Kindheit gelernt. Was du da machst, wenn du nachgibst, um den Konflikt zu beenden, ist "Unterordnung". Du machst dich kleiner, damit der andere sich größer fühlen kann. Besser fühlt sich dabei meistens niemand.

Bei der Unterordnung handelt es sich auch um eine Art Vermeidungsstrategie im Deckmäntelchen der Harmonie. Ich sage nicht, dass diese Taktik unbedingt schlecht ist, im Gegenteil. Sie kann sehr nützlich sein in manchen Kontexten. Und sie war mit Sicherheit sehr wichtig in deiner Kindheit, den Eltern gegenüber, den älteren Geschwistern und manchen Lehrern gegenüber auch. Doch heute kannst du dich bewusst für oder gegen diese Strategie entscheiden. Und das macht einen Riesen-Unterschied. Wenn es dir nicht allzu wichtig ist, dann gib auch gerne mal nach. Und dann freue dich darüber, dass der Frieden im Außen und im Innen wieder hergestellt ist. Aber wenn es dir wichtig ist, dann mache dich nicht mehr klein, dann tritt für dich ein. Welche Erfahrungen hast du mit Unterordnung gemacht und wo ist sie dir heute noch nützlich und wo nicht?

 

 

Das Delegieren

Diese Strategie kommt immer dann in Frage, wenn beide Konfliktparteien an ihren Positionen festhalten und unbedingt meinen, Recht zu haben.

"Aber ich hab doch Recht! Warum erkennt er das nicht?" so oder so ähnlich argumentierst du dann. Und dein Gegenüber? Der denkt natürlich genauso und ihr kommt nicht überein.

Das sind die Situationen, in denen der Konflikt durch "Delegieren" gelöst werden soll. Zwei KollegInnen müssen nun den Vorgesetzten in den Konflikt involvieren: er soll sagen, wer Recht hat und eine Entscheidung treffen. Freunde werden zurate gezogen und um ihre Meinung zum Konflikt angefragt.

Und wenn man so auch nicht weiterkommt, dann wird der Konflikt an ein Gericht delegiert. Der Richter/die Richterin wird entscheiden. Und das können dann alle akzeptieren.

Jedoch gilt hier mein Lieblingsspruch: "Willst du Recht haben oder glücklich sein? Beides gleichzeitig geht nicht!" (M.B. Rosenberg) Das erleben viele Menschen, die vor Gericht "gewinnen". Sie haben Recht bekommen und fühlen sich dennoch nicht glücklich (gilt nicht für jeden Menschen, aber für viele). Weil der Konflikt nicht gelöst wurde, es wurde nicht hinterfragt, warum jemandem eine Sache so wichtig ist. Was die Interessen und Bedürfnisse hinter der Position sind? Keine der Konfliktparteien fühlt sich wirklich gesehen. Und ruck-zuck ist der nächste Konflikt da und das Spiel beginnt von vorn.

Du siehst, ich bin kein Befürworter des Delegierens. Ich finde auch, dass Eltern nicht in Konflikten zwischen ihren Kindern Entscheidungen darüber treffen sollten, wer wohl Recht hat. Weil sie nicht Teil des Konfliktes sind.

Suche das Gespräch! Versuche deinen Konfliktpartner zu verstehen. Und dann wendet Grundmuster 5 oder 6 an.

 

 

           Der Kompromiss

 "Dann geh doch einen Kompromiss ein!" so oder ähnlich heißt es oft, wenn Konflikte in eine heiße Phase eintreten. Das klingt doch gut, denkst du und überlegst mal gleich los, wo du bereit bist, von deinen Positionen ein Stück abzurücken. Du gibst in einem Punkt nach und hoffst, dass dein Gegenüber dasselbe tut. Und hier ist die Sache mit dem Kompromiss eben gar nicht mehr so schick, wie es sich anhört.

Denn es verlieren beide etwas, und das Stück Kuchen wird immer kleiner. Wenn ihr lange verhandeln müsst, bleibt vielleicht nur noch ein Kuchenkrümel übrig von dem eigentlichen Tortenstück, dass du dir so gewünscht hast.

Keine Frage, Kompromisse sind oft notwendig und richtig. Besonders in Verhandlungen bei Tarifstreitigkeiten würde sonst niemals ein Ergebnis entstehen. Kompromisse werden in sogenannten "Schlichtungen" erarbeitet. Auch beim Feilschen um den Preis handelt es sich am Ende um einen Kompromiss.

Doch wenn du kein gutes Gefühl mehr dabei hast, weil du zu viel gegeben und dafür zu wenig bekommen hast, dann schmeckt der beste Kompromiss einfach nur noch fade."Dann geh doch einen Kompromiss ein!" so oder ähnlich heißt es oft, wenn Konflikte in eine heiße Phase eintreten. Das klingt doch gut, denkst du und überlegst mal gleich los, wo du bereit bist, von deinen Positionen ein Stück abzurücken. Du gibst in einem Punkt nach und hoffst, dass dein Gegenüber dasselbe tut. Und hier ist die Sache mit dem Kompromiss eben gar nicht mehr so schick, wie es sich anhört.

Denn es verlieren beide etwas, und das Stück Kuchen wird immer kleiner. Wenn ihr lange verhandeln müsst, bleibt vielleicht nur noch ein Kuchenkrümel übrig von dem eigentlichen Tortenstück, dass du dir so gewünscht hast.

Keine Frage, Kompromisse sind oft notwendig und richtig. Besonders in Verhandlungen bei Tarifstreitigkeiten würde sonst niemals ein Ergebnis entstehen. Kompromisse werden in sogenannten "Schlichtungen" erarbeitet. Auch beim Feilschen um den Preis handelt es sich am Ende um einen Kompromiss.

Doch wenn du kein gutes Gefühl mehr dabei hast, weil du zu viel gegeben und dafür zu wenig bekommen hast, dann schmeckt der beste Kompromiss einfach nur noch fade.

 

 

 Der Konsens

Das ist es, was du bekommst, wenn du mit deinem Konfliktpartner bereits auf einer sehr hohen Ebene kommunizieren kannst. Andernfalls hilft dir gerne ein Mediator/eine Mediatorin dabei, diesen Konsens zu finden.

WIN-WIN das ist das bestmögliche Ergebnis eines Konfliktes. Das bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, das beide nur gewinnen und keiner verliert. Wie geht das nun?

Bei der Mediation wird sprichwörtlich der Kuchen erst vergrößert, bevor er verteilt wird, damit du nicht nur Kuchenkrümel am Ende abbekommst. Die Konfliktparteien erarbeiten gemeinsam viele verschiedene Möglichkeiten, wie ihr Konflikt gelöst werden kann. Da vorab in der Mediation schon herausgearbeitet wurde, welche Interessen und Bedürfnisse der Einzelne hat, ist das Fenster zum gegenseitigen Verstehen bereits weit geöffnet und der Wille, dem anderen entgegenzukommen ist da. Dies eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Ich staune regelmäßig, welch kreative Lösungen so entstehen können. Und völlig unbeeinflusst durch die Mediatorin suchen sich die Kontrahenten die für sie passende Lösung aus und probieren diese in der Praxis aus.

 

Herzlich deine Kathrin Hammer